Schwere Eichentür mit Versorgungsluke zum Verlies im Stumpfen Turm zu Lenzen

276/365 Tor zum Verlies

03.10.2015
Diese kleine von den Zeiten gezeichnete, einst sehr stabile Tür mit schwerem Schloss gehört zum Stumpfen Turm in Lenzen (Elbe), Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, Reste der Stadtmauer aus Feld- und Backsteinen sind heute noch zu sehen.
Der Turm war Torturm des Bergtors, eines von drei Lenzener Stadttoren (neben Heidetor und Seetor). An den Toren wurde Zoll erhoben. Zum Stumpfen Turm gelangte man über zwei Brücken jeweils mit Vortor und Zugbrücke. Nachts war das Stadttor vorsorglich verschlossen. Nach zunehmendem Verfall der Stadtmauern wurde das Bergtor 1758 abgerissen, das ehemalig kegelförmige Dach des Turmes stürzte ein und seitdem heißt er im Volksmund bis heute nur noch Stumpfer Turm.
Der Stumpfe Turm wurde nach dem Abriss des Tores als Gefangenenturm (Verlies) genutz. Man musste sich schon ganz schön bücken, um hinein- und auch wieder hinauszukommen. Die kleine Luke in der Tür war für die Übergabe der Verpflegung gedacht. Die Angehörigen hatten sich damals gefälligst selbst um die Verpflegung der Delinquenten zu kümmern.

Morgennebel in der Stadt - Blick vom Balkon

255/365 Erster Herbstnebel?

12.09.2015
Samstagmorgen, ich öffne die Augen und es ist neblig. Bevor ich mich noch einmal umdrehe, quäle ich mich langsam aus dem Bett. Auf dem Weg zum Balkon schnappe ich mir die Kamera und ziehe mir ein Paar Latschen an, um einer Ehekrise wegen zu kalter Füße nach erfolgter Fotoaufnahme aus dem Wege zu gehen. Es ist gar nicht kalt, die Straße ist menschenleer und friedlich. Es sieht ganz so aus, als ob der Herbst jetzt wirklich schon einen Fuß in der Tür hat. Es wird dann aber doch ein sehr schöner Spätsommertag werden, den wir bei Freunden in Merseburg anlässlich ihres Richtfestes verbringen.

Parkende Motoroller stehen in einer Reihe am Straßenrand

188/365 Motoparade ohne Schwalbe

07.07.2015
Wer in Deutschlands Großstädten mobil sein will, fährt am Besten mit den Öffentlichen, die Sportskanonen vielleicht mit dem Fahrrad und wer´s gemütlicher haben will, mit dem Motoroller. Ein Parkplatz findet sich fast immer. Hier haben wir in Leipzigs Innenstadt gleich eine ganze Parade von Motorrollern; von der guten alten italienischen Vespa bis zur Kymco aus Taiwan. Wo bleiben Schwalbe, Star und Habicht aus Suhl? Sie verschinden immer mehr aus dem Stadtbild. Na ja, für die Luft ist es wohl besser so.

Straßenparty am lauen Frühlingsabend in der Stadt - Gäste sitzen auf Ledersofa und -sessel mit einem Glas Wein in der Hand auf dem Gehweg vor dem Haus

148/365 Straßenparty am Abend

28.05.2015
Heute hatten wir lieben Besuch und spontan Lust bekommen, den schönen Abend im Freien zu verbringen. Da man ab einem bestimmten Alter nicht mehr auf ein Mindestmaß an Luxus verzichten möchte, wurden kurzerhand die Sitzmöbel aus dem Wohnzimmer auf die Straße getragen. Dazu gab es eine Kerze auf dem Fußweg, für jeden ein Glas Wein und jede Menge irritierter Blicke der Nachbarschaft und aus vorbeifahrenden Autos. Zum Glück ist nichts passiert, sonst hätten wir morgen vielleicht in der Zeitung gestanden wegen schweren Eingriffs in den Straßenverkehr. Eigentlich mussten wir lediglich Platz schaffen für die Möbelträger, die uns morgen unsere neue Couch bringen sollen. Hoffentlich kommen sie auch und bringen die bestellte Ware und nicht irgend etwas. Aber das gibt dann ein neues Tagesbild.

schiefes Eingangstor vor einer Baulücke - hier entstand 2009 ein kleiner Garten für Jederfau, Jedermann

112/365 Kohlrabi und Blumen hinter schiefem Tor

22.04.2015
Heute gibt es ein kleines Rätsel: Wie lautet(e) die Inschrift auf diesem schiefen Tor in Halles altem Arbeiterviertel Glaucha?
In der Torstraße 31 gab es nach dem Abriss eines Mehrfamilienhauses eine triste Baulücke. Im Rahmen eines internationalen Workcamps entstand hier im Sommer 2009 ein »Stadt- und BürgerInnengarten« mit kleinen Beeten für Blumen und Gemüse. Auch wenn man es bei dem schiefen Tor nicht vermuten mag, dahinter verbirgt sich tatsächlich eine grüne Oase, nicht zuletzt dank vieler helfender Hände und zahlreicher Pflanzenspenden. Zentraler Slogan: »Der Stadtgarten Glaucha … ist für alle da«!
Beim Lugen durch die Zaunlücken sieht man, das kleine Paradies ist alles andere als perfekt und steht damit im Einklang mit dem Tor. Aber, wer sagt denn, dass ein Stadtgarten in Glaucha wie ein englischer Garten auszusehen hat?

Übrigens: Wer Lust dazu hat, kann sich jederzeit bei Postkult e.V. melden und ein Beet im Stadtgarten nach eigenen Vorstellungen bewirtschaften oder bereits vorhandene Beete pflegen, sich hier entspannen und ausruhen, mit anderen ins Gespräch kommen oder an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen.

rote Straßenbahn auf dem nächtlichen Marktplatz von Halle

68/365 Nachtschwärmer

09.03.2015
Heute hat mich mein holdes Eheweib nach dem Spanischkurs abgeholt und wir haben eine Kleinigkeit zu uns genommen, um sodann bei einem Newcastle Brown Ale im Conoisseur den Abend einzuläuten. Auf dem Heimweg kamen wir über den Marktplatz, der das Motiv zum heutigen Tagesbild abgeben sollte. Die blaue Stunde war längst hinüber, also Nachtstimmung. Die Hausmannstürme reckten sich besonders gerade in den Himmel und die Straßenbahnen gaben schöne Farbkontraste und sorgten für Licht und Stimmung.
Apropos Stimmung: Sehr stimmungsvoll geht es bei thematisch geführten Stadtrundgängen zu. Für Nachtschwärmer gibt es z.B. einen musikalischen Rundgang mit einem Spielmann in mittelalterlichem Kostüm und schönen sowie schaurigen Liedern zum Klang seiner Gitarre bei einem informativen Bummel durch die nächtliche Altstadt. Veranstalter ist die Stadtmarketing Halle GmbH.

Ranken von wildem Wein bilden ein bizarres Muster an einer Hausfassade

47/365 Synapsenfasching oder neuronales Desaster?

16.02.2015
Oder vielleicht mit Alkohol angereicherte Blutgefäße eines Karnevalisten? Nichts von alledem zum Rosenmontag. Bei diesem Gebilde heiliger Geometrie der Fraktale handelt es sich um Parthenocissus tricuspidata, der Dreispitzigen Jungfernrebe, die ohne Hilfsmittel an senkrechten Wänden bis zu 20 m Höhe erklettern kann. Das Tolle an dieser Pflanze ist, dass sie nach einer Initialisierungsphase das ganze Jahr über schön oder im Winter wenigstens interessant aussieht.

11/365 Kommunikationsgesellschaft – keiner hört keinem zu

11.01.2015
Diese Sichtweise des Heiligen Abendmals hat ein brasilianischer Street Art-Künstler, Paulo Ito, der Stadt Halle vermacht. Wir sind heute so kommunikativ, vernetzt und immer online, dass keiner mehr Zeit hat, dem anderen zuzuhören. Die wirklich wichtigen Gespräche werden nicht geführt, die wichtigen Botschaften nicht gehört.
Das Graffito ist Bestandteil der Freiraumgalerie in Halle/Saale, ein ganzer Stadtteil generiert sich zum Kunstprojekt – unbedingt sehenswert.

http://streetart-halle.de/2014/09/stree-art-abendmahl/

Das Bild wurde aus 5 freihändig geschossenen Einzelaufnahmen in Photoshop zusammengesetzt.