Goldene Blätter vom Ginko vor strahlend blauem Herbsthimmel

304/365 Mediator zwischen den Welten

31.10.2015

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?

(Ginkgo Biloba: Johann Wolfgang von Goethe, 1815)

Der Ginkgo fasziniert und inspiriert die Menschen seit tausenden von Jahren. Er ist symbolträchtig und steht für Hoffnung, Freundschaft, Fruchtbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Charles Darwin bezeichnete ihn als »lebendes Fossil« und als solches ist der Ginkgo ein Vermittler zwischen den Welten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Orient und Okzident, zwischen Körper und Geist, zwischen den Geschlechtern, zwischen Yin und Yang. Und ich finde ihn einfach nur schön. Aber Vorsicht: Wer unter einem weiblichen Baum Früchte findet, sollte diese nicht wie ich einfach in die Tasche stecken. Das Fruchtfleisch fing innerhalb kürzester Zeit an, schleimig zu werden und fürchterlich zu stinken (Buttersäure und Capronsäure!). Angeblich sind die Nüsse (Kerne) allerding eine Delikatesse.