Rathaus in Halle (Saale) in der Abenddämmerung in den Farben der Tricolore angestrahlt.

320/365 Vive la france, vive la democratie

16.11.2015

Drei Tage ist es her, dass mehrere Terroranschläge in Paris Tod und Entsetzen aber auch große internationale Anteilnahme und Mitgefühl hervorriefen. Ich bewundere die Franzosen, die schon kurz nach den Attentaten bewusst wieder zur »Normalität« zurückkehren und den verblendeten IS-Sympathisanten demonstrieren, dass sie sich keineswegs einschüchtern oder gar in ihrer Lebensführung einschränken lassen. Das Anstrahlen des Rathauses finde ich eine schöne Geste und hoffe, dass es in der Auseinandersetzung mit Gegnern der Demokratie nicht bei Gesten und Bekenntnissen bleibt.

Händel kann jetzt erst einmal für mehrere Wochen auf die Montagsdemos verzichten. Der Weihnachtsmarkt wird aufgebaut und die Demonstranten pro und contra Einwanderer aus Kriegsgebieten müssen ausweichen.

Abend auf dem Marktplatz in Halle mit Blick auf die Marktkirche. Die Marktstände werden bald schließen.

313/365 Kurz vor Feierabend

09.11.2015
Das war knapp. Wieder einmal auf dem Weg zum Spanischunterricht, entscheide ich mich für den Schnappschuss in Richtung Marktstände und Marktkirche. Wie ich drei Tag später sehen sollte, war das genau die richtige Entscheidung, denn inzwischen werden hier die Buden für den bald öffnenden Weihnachtsmarkt errichtet. Da ich kein Stativ mitführe, entscheide ich mich, die Kamera an einen Laternenpfahl zu pressen und via Selbstauslöser zu belichten.

Straußen-Claus aus Wittenberg an seinem Verkaufsstand auf dem Marktplatz zum Halleschen Lichterfest

311/365 Straußen-Claus

07.11.2015

Der Vogel Strauß ist groß und kräftig,
seine Steaks nur klein und deftig.
Treten kann er furchtbar heftig,
seine Eier sind gar mächtig!

(Ina Klutzkewitz »Der Vogel Strauß« – 1. Strophe)

Billy Etheridge von ZZ Top lässt grüßen: Michael Schütze, alias Straußen-Claus aus Wittenberg, ist ein uriger Typ, ein Original, auch wenn er keinen Südstaaten-Blues-Rock spielt. Volksfeste, Markttreiben wie heute zum Lichterfest in Halle leben von solchen schillernden Erscheinungen. Straußen-Claus bietet neben fleischlichen Genüssen vom Strauß, von allerlei Wild oder Wollschwein kurzweilige und bislang leicht frivole Unterhaltung und ist immer zu einem Späßchen aufgelegt. Er ist nicht nur auf Jahrmärkten in der Region unterwegs sondern lässt sich auch gern für größere Veranstaltungen mitsamt seinem Versorgungsstand buchen. Um das Foto musste ich nicht zweimal bitten. Kommunikation ist alles. Straußen-Claus lebt das.

Händel-Denkmal auf dem Marktplatz in Halle bei Nacht

306/365 Halle(lujah) beim Warten auf Messiah

02.11.2015
Nachdem die Uhren von Sommer- auf Normalzeit zurückgestellt wurden, wird es abends beizeiten duster. Das finde ich schrecklich, ist aber so, und irgendwann werden die Tage auch wieder länger. Auf dem Weg zum Spanischkurs komme ich wieder einmal auf dem Marktplatz bei »Schorsch« vorbei, der sich wiederum von Montagsdemos pro und contra Flüchtlingsaufnahme in Halle genervt zeigt und diesen seinen breiten Rücken zuwendet. Was würde er heute wohl komponieren?

Silhuette der fünf Türme und des Händeldenkmals auf dem Halleschen Marktplatz vor einem leuchtenden Abendhimmel

299/365 Händel und die fünf Türme vom Marktplatz

26.10.2015
Auf dem Weg zum Spanischkurs schlendere ich heute über den Markt und das phantastische Abendlicht inspiriert mich zu dieser Aufnahme, die fünf Türme und das Händeldenkmal auf dem Marktplatz als Silhuette vor einem leuchtenden Abendhimmel.
Die Silhuette (Schattenriss klingt in meinen Ohren zu popelig) hatte gerade zu Händels Zeiten in Deutschland Konjunktur, nicht nur als Scherenschnitt, sondern vorzugsweise als kunstvolle Tuschezeichnung gefertigt, zeigten sich gerade die intellektuellen Kreise von dieser minimalistischen bildlichen Darstellung begeistert. Die Fotografie (Daguerreotypie) war ja noch nicht erfunden. Da habe ich es heute einfacher.

Großes Polizeiaufgebot mit über 25 Einsatzfahrzeugen der Polizei auf dem Marktplatz von Halle im Vorfeld von zwei conträren Veranstaltungen zur Flüchtlingspolitik in Deutschland

294/365 Halle gegen Dummheit von Rechts

21.10.2015
Soviel Polizeipräsenz hat Händel bislang wohl noch nicht erlebt. Für heute haben sich rund 500 AfD-Anhänger zu einer Demo auf dem nahen Hallmarkt angekündigt, woraufhin sich auf dem Marktplatz mehr als eintausend Hallenser zu einer Gegendemo und Kundgebung des Bündnisses »Halle gegen Rechts« versammeln. Bereits zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn ergreifen Einsatzkräfte der Polizei aus Sachsen-Anhalt sowie aus Nordrhein-Westfalen (!!!) Maßnahmen, um mögliche Konflikte und tätliche Auseinandersetzungen zu unterbinden. Das ist kein schöner Anblick. Ich bin dennoch froh. Froh darüber, dass es im Verlauf des Abends erstens zu keinen größeren Ausschreitungen kam und zweitens darüber, dass es so viele Menschen in Halle gibt, die den Populisten mit ihrer Ausländerfeindlichkeit Widerstand entgegensetzen. Wenn ich heute Nachrichten über PEGIDA und andere Gruppierungen in ihrer Haltung zu Flüchtlingen in Europa höre, fällt mir spontan ein Zitat Albert Einsteins ein: »Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher«.
Darüber hinaus wird immer deutlicher, wir verbrauchen immer mehr Energie dafür, an den Symptomen herumzudoktern, anstatt das Grundübel anzugehen. Im öffentlichen Fokus stehen aber nur die Äußerlichkeiten, die Symptome. Kein Wunder, dass die Populisten so leichtes Spiel haben.

Blick vom Mönchshof am Hallmarkt auf die fünf Türme am Markt, ein Wahrzeichen von Halle

261/365 Der Mönchshof in der Stadt der fünf Türme

18.09.2015
Eines der Wahrzeichen unserer Stadt sind die fünf Türme auf dem Marktplatz; vier gehören zur Marienkirche (Marktkirche), einer, der Rote Turm, steht solo. Dass die Marktkirche mit vier Türmen ausgestattet ist, liegt daran, dass Kardinal Albrecht mit Zustimmung der erzbischöflichen Räte vor beinahe 500 Jahren die beiden Pfarrkirchen am Markt bis auf die vier Türme abreißen ließ, um an gleicher Stelle eine repräsentative, große Marienkirche zu errichten, in welcher die beiden Turmpaare bis heute mit einem einzigen Kirchenschiff verbunden sind. Der einzeln stehende Rote Turm wurde einst als Glockenturm (Campanile) der ursprünglichen Marien-Pfarrkirche errichtet.
Der Mönchshof befindet sich in einem großen, schön restaurierten Bürgerhaus am Hallmarkt, einst errichtet als Hotelgebäude (»Central Hotel«) mit Trinkhalle.
Nach wechselvoller Geschichte übernahm die Kulmbacher Export Brauerei Mönchshof das Haus in den 1930-er Jahren. Zu dieser Zeit entstand der Gastraum, welcher bis heute zu großen Teilen im Original erhalten geblieben ist. Auch in der DDR blieb das Lokal stets in privater Hand und war als »Klosterbräu« beliebter Treffpunkt der Halleschen Studentenschaft.

Der StreetArt-Künstler Helmut Artiste vor seinem Bildnis von Dalí auf dem Marktplatz von Halle

211/365 Dalí zu Händels Füßen

30.07.2015
Ein Straßenkünstler, »un artiste des trottoires« wie er im Buche steht, und dazu ein echtes Unicum, das ist Helmut »Artiste« Nied, der heute, nicht zum ersten Mal, ein »Gastspiel« auf Halles Marktplatz gab und einen überdimensionalen Dalí auf das Pflaster zu Händels Füßen zauberte.
Der Mann ist ein Gesamtkunstwerk, stammt aus dem Odenwald, gibt im Facebook-Profil seinen Wohnort mit Nantes an und scheint überall dort zu Hause zu sein, wo er sitzend oder liegend seine Kreidegemälde (ist das ein Widerspruch in sich?) auf große Pflastersteine transferieren kann. Sei Gesicht ist mindestens ebenso facettenreich und interessant wie seine Bilder und, was zu vermuten ist, seine Lebensgeschichte.

Metallskulptur eines Esels als Markenzeichen der »Galerie Eselsohr« in der Nähe des Halleschen Marktplatzes

114/365 Tag des Versuchstiers

24.04.2015
Seit über 50 Jahren gibt es den Internationalen Tag des Versuchstiers, ins Leben gerufen von der britsichen Tierrechtlerin Muriel Dowding mit dem Ziel, auf die Schicksale unzähliger Versuchstiere aufmerksam zu machen. Die meisten Versuchstiere sterben während der Experimente oder werden anschließend getötet. Die Aussagekraft und ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen ist heiß umstritten. Ich werde hier nicht gegen Tierversuche wettern, bin aber überzeugt, dass nicht jedes durchgeführte Tierexperiment tatsächlich erforderlich bzw. in der gewählten Form notwendig wäre.
Hier habe ich in Halles Zentrum, in der Schmeerstraße, dieses Versuchstier entdeckt, mit dem hoffentlich erfolgreich versucht wird, auf die Galerie Eselsohr aufmerksam zu machen, einer Kleinkunstgalerie, in der man fast alles außer Massenwahren entdecken und bei Gefallen auch käuflich erwerben kann. Ein lohnender Versuch, finde ich.

Bunte Regenschirme als Farbtupfer beim Halleschen Ostermarkt im Regenwetter

88/365 … doch an Blumen fehlt´s im Revier, …

29.03.2015
Die Sommerzeit beginnt mit richtig »Schietwedder«. Bis zum Osterspaziergang sind es noch ein paar Tage, an diesem Wochenende ist in Halle jedoch schon mal Ostermarkt, und damit der Umsatz stimmt, haben auch gleich noch die Geschäfte in der Innenstadt sowohl Samstag als auch am heutigen Palmsonntag geöffnet. Was tut die Gesellschaft nicht alles, damit das Geld in steter Bewegung bleibt und nicht schimmelt?
Petrus muss das offensichtlich nicht so toll gefunden haben und hat den Himmel zugezogen, schickte uns kalten Wind und Regen. Dafür konnten die Menschen mit bunten Mützen, Schals und vor allem Regenschirmen kräftige Farbtupfer setzen.