Die Natur vermag Unglaubliches. Hier klammert sich eine Lärche an einen Felsen, durchdringt mit ihren Wurzeln kleinste Hohlräume, sucht und findet so Halt und lebensnotwendige Nährstoffe.

362/365 Eng umschlungen

28.12.2015

Ein Spaziergang mit Britta und ihren Border Collies führt uns am Ostuferwanderweg des Hallstätter Sees zu Tonis Wald. Toni hat mit seiner Frau Monika einst die Lodge auf dem Krippenstein bewirtschaftet, ist noch heute dort tätig. Früher hatte er eine große Gruppe von Huskies, die er oben auf dem Krippenstein hielt. Inzwischen hat er keine Hunde mehr. Zu viele »Tierfreunde« und »Umweltschützer« haben ihm sein Hobby  verleidet. Uns hat er immer wieder eingeladen, mit den Hunden seinen Grund zu nutzen, damit die Hunde dort freien Auslauf ohne Einschränkungen genießen können. Und das Angebot nehmen wir nur zu gern an, genießt man doch von einer Stelle in seinem Wald einen herrlichen Blick über den Hallstätter See auf Hallstatt.

Auf dem Weg dorthin liegen unzählige Felsen vertreut, Ergebnis der Verkarstung der Alpen im Salzkammergut. Hier klammert sich eine Lärche an einen Felsen, durchdringt mit ihren Wurzeln kleinste Hohlräume, sucht und findet so Halt und lebensnotwendige Nährstoffe.

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Frucht des Milchorangenbaumes (Maclura pomifera)

329/365 Maclura was?

25.11.2015

Diese Frucht hat mir eine Sportfreundin aus dem Fitnessstudio (sieht blöd aus nach neuer Rechtschreibung, ist aber konsequent) mitgebracht. Sie hat die Frucht (Größe etwa eines Tennisballs) in Halle unter einem Baum gefunden: »Kennst Du das?«

Uuups, nö, kenne ich nicht und ich habe auch eine ganze Weile recherchieren müssen, bis ich darauf stieß, dass ich die Frucht des Milchorangenbaums  (Maclura pomifera) vor mir hatte. Die Milchorange auch Osagedorn genannt, gehört zur Familie der Maulbeergewächse, stammt aus Amerika und hat nichts mit den Zitrusfrüchten gemein. Die Bezeichnung Osagedorn bezieht sich auf  den Indianerstamm der Osage im Grenzgebiet von Texas, Arkansas und Oklahoma. Ihnen soll das Holz dieses Baums zur Herstellung ihrer Bögen gedient haben. Vor der Erfindung des Stacheldrahtes dienten die geschnittenen und mit Dornen bewehrten Bäume als natürliche Begrenzung (Hecke) für Viehherden. Aus den Wurzeln gewann man einen gelben Farbstoff zum Färben von Textilien und Körben. Die Früchte sollen eklig schmecken, für uns Menschen jedoch nicht giftig sein. Angeblich enthalten sie wertvolle Inhaltsstoffe, die das Interesse der Pharmazie geweckt haben. Ich finde die Frucht einfach nur schön und faszinierend, und spätestens im Frühjahr werde ich mir die Bäume ansehen.

 

 

Goldene Blätter vom Ginko vor strahlend blauem Herbsthimmel

304/365 Mediator zwischen den Welten

31.10.2015

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?

(Ginkgo Biloba: Johann Wolfgang von Goethe, 1815)

Der Ginkgo fasziniert und inspiriert die Menschen seit tausenden von Jahren. Er ist symbolträchtig und steht für Hoffnung, Freundschaft, Fruchtbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Charles Darwin bezeichnete ihn als »lebendes Fossil« und als solches ist der Ginkgo ein Vermittler zwischen den Welten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Orient und Okzident, zwischen Körper und Geist, zwischen den Geschlechtern, zwischen Yin und Yang. Und ich finde ihn einfach nur schön. Aber Vorsicht: Wer unter einem weiblichen Baum Früchte findet, sollte diese nicht wie ich einfach in die Tasche stecken. Das Fruchtfleisch fing innerhalb kürzester Zeit an, schleimig zu werden und fürchterlich zu stinken (Buttersäure und Capronsäure!). Angeblich sind die Nüsse (Kerne) allerding eine Delikatesse.

Fruchtstände der Baumhasel

265/365 How bizarr, how bizarr …

22.09.2015
Noch 100 Tage bis Silvester, noch 100 Bilder im Jahresprojekt. Heute habe ich mir ein bizarres Gebilde aus der Stadt mitgebracht. Haben wohl Außerirdische hier verloren? Das sind Früchte der Baumhasel, auch türkische Hasel genannt. Wir haben in Halle an einigen Stellen diese relativ seltenen und sehr robusten Bäume stehen, die, genau wie die bekannte Haselnuss, aus der Gattung Hasel (Corylus) stammen. Als Birkengewächse (Betulaceae) sind sie zudem verwandt mit der Hainbuche, der Schwarzerle und natürlich der Birke. Ihre Nüsse sind kleiner und härter als die der Gemeinen Hasel (Corylus avellana) und reifen in aus fünf bis acht Nüssen bestehenden Fruchtständen. Diese sind von harzigen Stacheln und krausen Hüllblättern umgeben, die anfangs weich sind, nach dem Herabfallen vom Baum jedoch rasch hart und spröde werden und gemein piksen.

An der Johanneskirche grünt die erste Kastanie

99/365 Was hat die Kastanie mit dem Pferd zu tun?

09.04.2015
Seit Projektstart achte ich viel stärker als davor darauf, einen Fotoaparat mitzunehmen, sobald ich das Haus verlasse. Auf dem Weg zur Kaufhalle (schönes Ossi-Wort, aber ich möchte heute Product Placement vermeiden) leuchtete diese Rosskastanie schon von weitem mit grünen Blättern und deutlich zu erkennenden Blütenständen. Ringsum die Bäume, Linden und weitere Kastanien, halten sich da noch vornehm zurück. Dass dieser Baum es immer besonders eilig hat, ist mir in den letzten Jahren schon ein paar Mal aufgefallen. Allerdings ist er auch der Baum, der als erster völlig entlaubt herumsteht, vor allem ein Werk der Rosskastanien-Miniermotte (oder Balkan-Miniermotte). Was so ein kleiner Schmetterling alles anrichten kann?
Seinen größten Nutzen entwickelt eine Kastanie vor allem als Schattenspender in Biergärten, insbesondere in Bayern. Ansonsten werden, vor allem aus den Samen, die wir gemeinhin einfach als Kastanien bezeichnen, wertvolle Inhaltsstoffe, wie Saponine etc., gewonnen, die viele Jahrhunderte lang in der Heilkunde erfolgreich eingesetzt wurden. Ein tolles Naturprodukt aus Kastanien ist Kastanienhonig, der riecht wie eingeschlafene Füße oder entzündeter Pferdehuf (vielleicht kommt daher der Name?), schmeckt jedoch phantastisch.

Kiefer am Heidesee steht auf unterhöhlten Wurzeln wie auf Stelzen

45/365 Im Reich der Ents

14.02.2015
Luftwurzeln, wie in den Mangrovenwäldern Mittelamerikas, an den tropischen Küsten Afrikas oder Asiens, wo die Bäume auf »Stelzen« den Gezeiten widerstehen? Wohl eher nicht zu erwarten am Heidesee. Dort stehen am Ostufer einige Eichen und diese Kiefer aber tatsächlich wie auf Stelzen im Sand. Das erinnert auch ein wenig an das Reich der Ents bei Tolkien, jenen Baumwesen, die von den Elben aufgeweckt, mit Sprache versehen und bestimmt wurden, Bäume und andere Pflanzen zu beschützen.

Baumschnitt - Ausästen in luftiger Höhe mit der Kettensäge

24/365 Subotnik – gut wenn man Freunde hat

24.01.2015
Subota: Russisch, kroatisch … für Sonnabend. Und, wie kann man seinen Samstag besser herumbringen als bei einem zünftigen Subotnik, Arbeitseinsatz bei Freunden? Dieses Foto hat also vornehmlich dokumentarischen Charakter, Zeugnis der Unerschrockenheit und des Heldenmutes unseres Freundes T aus M.
Held T. sitzt völlig entspannt in ca. 7 Meter Höhe und spielt nicht etwa eine Weise auf der Balalaika sondern stutzt der Weide mit einer Kettensäge die Frisur. Das wichtigste bei solchen Arbeitseinsätzen ist die Sicherheit. Da lassen wir keine Luft ran. Und deshalb: Bei Arbeiten in luftiger Höhe, immer einen Helm aufsetzen, im Idealfall rot. Die Leute unten müssen halt einfach in Deckung gehen wenn der nächste Ast nach unten rauscht.