Peilkompass in Messinggehäuse von einem Segelausrüster - zeigt in Richtung der magnetischen Pole der Erde.

351/365 Auf Kurs

17.12.2015
Diesen Kompass habe ich mir einmal bei einem Ausrüster für den Segelsport gekauft, nicht weil ich ihn unbedingt brauchen würde, er hat mir einfach gefallen. Nun neige ich nicht dazu, alles haben zu müssen, was mir gefällt. Manchmal mache ich jedoch eine Ausnahme. Beim Windsurfen brauche ich ihn eher nicht, da auf Sicht zum Ufer gefahren wird und man eh keine Hand frei hat. Bis vor einigen Jahren dachte ich noch, im Wald könne ich mich gar nicht verlaufen, bis es dann doch einmal bei Schietwetter und diffusem Licht passiert ist. Seitdem habe ich im Auto meist einen einfachen Handkompass zu liegen, den ich gegebenenfalls beim Pilzesuchen einstecken kann. Heutzutage haben die meisten Mobiltelefone bereits einen elektronischen Kompass eingebaut, was sicher eine gute Sache ist, allerdings verabscheue ich den Gedanken, dass wir gedankenlos, blindlings nur noch auf Hightech und Elektronik statt auf Kenntnissen über die Natur, auf einfache verlässliche Hilfsmittel und auf Intuition vertrauen.

Sternenkarte und Pentagramm zum Tag des Okkultismus 2015

322/365 Drudenfuß und Sternenkarte

18.11.2015

Ein Blick in den Kalender verrät mir: Heute ist Tag des Okkultismus, weltweit. Na so etwas. Okkultes ist schlecht greifbar, ist mystisch, paranormal, übersinnlich, übernatürlich? Die wenigsten wissen, was das überhaupt ist. Heutzutage wird der Begriff größtenteils abwertend verstanden und gebraucht. Laut Wikimedia lassen sich prinzipiell zwei Richtungen des Okkultismus unterscheiden: Der empirische und der esoterische Okkultismus. Ersterer befasst sich mit okkulten Erscheinungen und will diese erforschen. Der esoterische Okkultismus hingegen befasst sich mit »Geheimwissen«, das nur einem kleinen Kreis »Eingeweihter« zugänglich sei.

Ich habe mal meine alte Sternenkarte herausgekramt, sie mit künstlichem »Sonnenlicht« aktiviert und sie dann in der Finsternis der unwissenden Seele fotografiert. Das Pentagramm als das vielleicht wichtigste esoterische Symbol habe ich nachträglich via Photoshop implementiert. Das Pentagramm steht für die Venus, für den Kreislauf des Lebens. Als kraftvolles Symbol der Freimaurer verkörpert es ihre wichtigsten Tugenden sowie die unerschöpfliche Kraft des Geistes im Zusammenspiel mit den vier Elementen.

Detail einer Grabstätte auf dem Stadtgottesacker in Halle für dem Mathematiklehrer Karl Friedrich Meyer

264/365 Archimedes und die Ästhetik in der Mathematik

21.09.2015
Diese Platte schmückt einen Obelisken auf dem Stadtgottesacker in Halle. Dieser wurde angelegt, als mit dem Bau der Marktkirche die beiden Stadtfriedhöfe der Pfarrkirchen aufgelöst wurden. Für den neu zu errichtenden Gottesacker wählte man den Martinsberg, der sich damals noch vor der Stadt befand. Die Anlage folgte dem Vorbild italienischer Camposanto-Anlagen, speziell des Camposanto in Pisa und gilt als ein Meisterwerk der Bestattungskultur der Renaissance nördlich der Alpen. Die Entwürfe stammen vom Stadtbaumeister und Steinmetz Nickel Hoffmann, der hier in über dreißigjähriger Bauzeit 94 Schwibbögen errichtete, die nach innen geöffnete Arkaden bildeten. Viele berühmte Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte Halles fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Heute gibt es auf dem Friedhof etwa 2.000 Grabstellen. Nach einem längeren Verbot von Beisetzungen auf dem Stadtgottesacker können heute Urnen innerhalb der Friedhofsmauern bestattet werden.
Der Obelisk, vor dem ich stehe, enthält eine Darstellung von Volumenberechnungen für Zylinder, Kugel und Kegel nach Archimedes. Das macht neugierig und eine Platteninschrift erklärt:

»Ihrem hochverehrten Lehrer
Professor
FRIEDRICH MEYER
Oberlehrer am Stadtgymnasium
zu Halle
Ehrendoctor d. Universität
Halle-Wittenberg
die dankbaren Schüler«

Auf der Rückseite nennt eine halb zugewachsene Grabplatte am Boden die Lebensdaten für Karl Friedrich Meyer (geb. 5. März 1842, gest. 5. Dec. 1898).

Karl Friedrich Meyer wurde nach einer Station als Hilfslehrer in Halberstadt im Jahr 1868 zum ordentlichen Lehrer für Mathematik und Physik an das Stadtgymnasium Halle berufen und blieb ihm fast 31 Jahre lang treu.
Laut Gottfried Riehm, durch die Förderung Meyers selbst Mathematiklehrer geworden, hat Meyer in der mathematischen Didaktik Außerordentliches geleistet und zitierte ihn mit den Worten: »Auch die Mathematik hat ihre Ästhetik«.
Letztes würde ich sofort unterschreiben. Was mich am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass Schüler aus Dankbarkeit ihrem Lehrer so ein opulentes Grabmal errichten ließen. Das stelle man sich einmal in heutiger Zeit vor.