Wohn- und Geschäftshaus neben der Kulturinsel in der Großen Ulrichstraße in Halle am Abend

341/365 Historismus?

07.12.2015

Die Große Ulrichstraße schlängelt sich vom Marktplatz in nördliche Richtung zwischen zahlreichen architektonisch wertvollen Wohn- und Geschäftshäusern entlang zum Hansering. Hier, im Foto festgehalten, beschreibt sie eine S-Kurve vor der Kulturinsel mit Neuem Theater, einem Kaufhaus im Stile des Historismus der Architekten Albert und Ernst-Heinrich Giese ausweichend. Beide gründeten 1883 in Halle das Atelier für Architektur und Kunstgewerbe / Bauausführung  und betrieben es bis 1922. Die kreativen und schaffensfreudigen Brüder hinterließen in Halle zahlreiche Spuren ihres Könnens. Das Kaufhaus in der Großen Ulrichstraße 49 zieht seit vielen Jahren als Modehaus besonders weibliche Kunden an und bietet einer großen Anwaltskanzlei attraktive Geschäftsräume. Der als Historismus beschriebene Baustil war im 19. Jahrhundert in der Architektur verbreitet, griff auf ältere Stilrichtungen zurück und kombinierte diese nach Herzenslaune, quasi ein Stilpluralismus.

gelber Triebwagen der ehemaligen Kirnitzschtalbahn aus Sachsen heute als touristische fahrtüchtige Attraktion des Straßenbahnmuseums Halle

337/365 Gelbe Straßenbahnballade …

03.12.2015

… ein Mädel und ein junger Mann
der Fahrer schaut zu in seinem Spiegel
und hält paar Haltestellen lang nicht an.
(RENFT, Text: Kurt Demmler)

Direkt aus dem Song der legendären Rockgruppe RENFT entfahren, steuert diese gelbe historische Straßenbahn auf den Halleschen Marktplatz zu. Station Weihnachtsmarkt?

Dieser gelbe Triebwagen Nr. 6 der Kirnitzschtalbahn in Sachsen verkehrte einst als Überlandbahn im Elbsandsteingebirge zwischen dem Stadtpark Bad Schandau und dem Lichtenhainer Wasserfall. Noch vor dem Ende des zweiten Weltkrieges in Gotha gebaut, wurde er 1993 an das Straßenbahnmuseum Halle abgegeben und dient heute als einsatzfähiges historisches Schienenfahrzeug vorzugsweise touristischer Erbauung. Trieb- und Beiwagen wurden irgendwann getrennt, wie traurig. Letzterer gelangte nach Cottbus.

 

»Drei Gänse« - eine Plastik von Gustav Weidanz vor dem Landesmuseum für Vorgeschichte auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Halle. Hier gibt es zur Zeit eine Sonderausstellung zum Thema Krieg.

334/365 Gänsekrieg

30.11.2015

Gänse sind, sofern nicht in Gefangenschaft für das Heranziehen eines Weihnachtsbratens gehalten, Zugvögel. Diese drei Gänse des sehr vielseitigen Künstlers und Hochschullehrers Gustav Weidanz zierten einst den Kröllwitzer Gänsebrunnen in einer kleinen Grünanlage an der Petruskirche. Nachdem der Brunnen »versiegte«, zogen die Gänse zum Rosa-Luxemburg-Platz vor dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Das Museum beherbergt eine der ältesten, umfangreichsten und bedeutendsten archäologischen Sammlungen in Deutschland und ist Heimstatt der weltberühmten  Himmelsscheibe von Nebra. Gegenwärtig gibt es eine Sonderausstellung zur archäologischen Erforschung des Phänomens »Krieg« (steht auf meiner Agenda für Anfang 2016).

Zum Thema Gänsekrieg gibt es in Bützow eine lustige Anekdote:

Ende 1794 veröffentlichte der Magistrat einen Erlass, wonach alle in Bützow gehaltenen Gänse nicht mehr auf den Straßen der Stadt umherlaufen durften. Da sich kaum jemand an diese Verordnung hielt, setzten im Dezember 1794 erste Pfändungen ein. Die beschlagnahmten Gänse wurden in einen Pfandstall gesperrt, wogegen die Bützower Bürger nicht nur protestierten, sondern diesen auch stürmten. Unter dem Ruf: »Es lebe die Gänsefreiheit« erlebte Bützow in der Zeit der Revolution der Franzosen ihr »Revolutiönchen«.

Wilhelm Raabe setzte diesem Treiben mit seiner Novelle »Die Gänse von Bützow« ein literarisches Denkmal. Auch in anderen Landesteilen sind Überlieferungen zu geharnischten Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Gänsehaltung bekannt, so vom Gänsekrieg in der altwürttembergischen Stadt Backnang.

 

Altes und neues Rathaus von Chemnitz mit Weihnachtsmarkt am Vorabend zum ersten Advent 2015

332/365 Weihnachtsmarkt in Chemnitz

28.11.2015

Freunde haben uns seit langem eingeladen, sie doch einmal in Chemnitz (zwischenzeitlich »Goarl-Moargs-Schdadd«) zu besuchen und so haben wir uns auf das erste Adventswochenende geeinigt. Petrus hat es am Samstag dafür sogar schneien lassen. Nachdem wir am Nachmittag dem höher gelegenen und komplett verschneiten Marienberg im Erzgebirge einen Besuch abgestattet hatten, ging es am Abend auf den Weihnachtsmarkt rund um die Rathäuser von Chemnitz. Hier herrschte eine tolle Atmosphäre. Weiträumig angelegt, gab es einen mittelalterlichen Bereich und daneben zahllose Verkaufsstände für kleine und feine »Steh-im-Weg«, eine Bühne und natürlich Stände für das leibliche Wohlergehen. Diese Weiträumigkeit hat sich Chemnitz allerdings teuer erkauft; nach dem zweiten Weltkrieg war von Chemnitz nicht mehr viel übrig geblieben, 80% der Stadt waren komplett zerstört. Heute wirbt Chemnitz für sich als Stadt der Moderne. Wir behalten das im Auge.

Silhuette der fünf Türme und des Händeldenkmals auf dem Halleschen Marktplatz vor einem leuchtenden Abendhimmel

299/365 Händel und die fünf Türme vom Marktplatz

26.10.2015
Auf dem Weg zum Spanischkurs schlendere ich heute über den Markt und das phantastische Abendlicht inspiriert mich zu dieser Aufnahme, die fünf Türme und das Händeldenkmal auf dem Marktplatz als Silhuette vor einem leuchtenden Abendhimmel.
Die Silhuette (Schattenriss klingt in meinen Ohren zu popelig) hatte gerade zu Händels Zeiten in Deutschland Konjunktur, nicht nur als Scherenschnitt, sondern vorzugsweise als kunstvolle Tuschezeichnung gefertigt, zeigten sich gerade die intellektuellen Kreise von dieser minimalistischen bildlichen Darstellung begeistert. Die Fotografie (Daguerreotypie) war ja noch nicht erfunden. Da habe ich es heute einfacher.

Schwere Eichentür mit Versorgungsluke zum Verlies im Stumpfen Turm zu Lenzen

276/365 Tor zum Verlies

03.10.2015
Diese kleine von den Zeiten gezeichnete, einst sehr stabile Tür mit schwerem Schloss gehört zum Stumpfen Turm in Lenzen (Elbe), Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, Reste der Stadtmauer aus Feld- und Backsteinen sind heute noch zu sehen.
Der Turm war Torturm des Bergtors, eines von drei Lenzener Stadttoren (neben Heidetor und Seetor). An den Toren wurde Zoll erhoben. Zum Stumpfen Turm gelangte man über zwei Brücken jeweils mit Vortor und Zugbrücke. Nachts war das Stadttor vorsorglich verschlossen. Nach zunehmendem Verfall der Stadtmauern wurde das Bergtor 1758 abgerissen, das ehemalig kegelförmige Dach des Turmes stürzte ein und seitdem heißt er im Volksmund bis heute nur noch Stumpfer Turm.
Der Stumpfe Turm wurde nach dem Abriss des Tores als Gefangenenturm (Verlies) genutz. Man musste sich schon ganz schön bücken, um hinein- und auch wieder hinauszukommen. Die kleine Luke in der Tür war für die Übergabe der Verpflegung gedacht. Die Angehörigen hatten sich damals gefälligst selbst um die Verpflegung der Delinquenten zu kümmern.

Burg Giebichenstein und die Giebichensteinbrücke über die Saale in der Abenddämmerung von der Bergschenke auf Kröllwitzer Seite aus

243/365 Burg Giebichenstein

31.08.2015
Heute war es den ganzen Tag über so warm, dass ich mich erst am späten Abend auf den Weg zu meinem Tagesfoto machte. Ich habe auf einen schönen Sonnenuntergang mit interessantem Himmel, womöglich mit einem schönen Mondaufgang gehofft und dazu die Szenerie der Burg Giebichenstein von der Bergschenke aus im Hinterkopf gehabt. Also habe ich mich nach dem Abendessen fix mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht und bin klitschnass, wie aus dem Wasser gezogen, an der Bergschenke angekommen. Zum Glück war die Schenke heute geschlossen, das Freigelände aber zugänglich. So konnte ich verschiedene Aussichtspunkte ausprobieren und, da ich keine Lust hatte, mein schweres Stativ am Fahhrad festzuzurren, mir aus den Gartentischen und -stühlen ein geeignetes »Hilfsstativ« bauen. Leider dauert die sogenannte »Blaue Stunde« bei weitem keine Stunde, also war ein wenig Eile angesagt, um das optimale Licht zu nutzen. Der Mond erschien mir in dieser Zeit allerdings nicht, sei´s drum.
Die Burg Giebichenstein ist von den berühmten besungenen Burgen an der Saale hellem Strande die älteste. Zahlreiche Geschichten und Mythen ranken sich um dieses stolze Bauwerk auf hohem Felsen über dem Saaleufer. Die Oberburg ist heute beliebtes Ziel für Touristen sowie für Hallenser und ihre Gäste. Der untere Teil beherbergt die heutige Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Vor 100 Jahren wurden Klassen für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Textilgestaltung, Fotografie sowie für Tischlerei gegründet. Seitdem genießt die Kunsthochschule hohes Ansehen als Ausbildungsstätte für Grafiker und Designer. Übrigens symbolisieren die beiden großen Sandsteinfiguren von Kuh (Kröllwitzer Ufer) und Pferd (Giebichensteinufer) am Fuße der Saalebrücke die Verbindung des ländlichen Kröllwitz mit dem städtischen Giebichenstein. Pferd und Kuh stammen von Gerhard Marcks, der seit 1925 Professor an der Kunsthochschule war.

Kaskade, Wasserspiele vor dem Ludwigsluster Schloss

231/365 Schlosspark Ludwigslust

19.08.2015
Das Schloss Ludwigslust war von 1763 bis 1837 Hauptresidenz der (Groß-) Herzöge von Mecklenburg-Schwerin. Der gepflasterte Schlosshof war der Standort eines früheren Jagdschlosses. Der Ludwigsluster Schlosspark ist einer der größten und schönsten Landschaftsparks Mecklenburgs und zu jeder Zeit einen Besuch wert.
Wir haben heute den zweiten Tag graues regnerisches Wetter, also Zeit für touristische Aktivitäten. Der Park ist wahrlich gigantich und strahlt durch seine Anlage sowie durch den uralten Baumbestand Ruhe und Kraft aus. So groß hatte ich ihn aus meiner Kindheit gar nicht in Erinnerung.
Überall gibt es Teiche und Wasserspiele. Da ursprünglich hierfür gar kein Wasser vorhanden war, wurde von 1756-1760 kurzerhand ein 28 Kilometer langer Kanal angelegt, der die zwei Flussläufe von Stör und Rögnitz verbindet.
Ein Prunkstück ist die Kaskade auf dem Schlossplatz mit Sandsteinskulpturen, deren zentrale Gruppe Allegorien auf die Flüsse Stör und Rögnitz sind. Bei schönem Wetter kann man hier sicherlich tolle Aufnahmen schießen. Für mich bestand die Herausforderung darin, dieses bei griesem Himmel zu versuchen. Also suchte ich nach einem Standpunkt, von dem aus ich Störungen sowie ausgefressenen Himmel ausblenden konnte.

Auf der Elbfähre von Schnackenburg (Wendland) nach Lütkenwisch in der Westprignitz

142/365 Touristischer Mehrkampf im Pfingstverkehr – der Weg ist das Ziel!

22.05.2015
Heute geht es nach Norden in die »Wildnis«, Pfingsten wird schön. Wenn nur der viele Verkehr nicht wäre. Baustellen auf der A14 und eine Unfallstelle auf der A2 wurden geschickt und weiträumig umkurvt, die Altmark bot freie Straßen und schöne Dorfansichten bis es bei Osterburg wieder auf die Ursprungsroute B189 ging: Stau vor der Elbbrücke bei Wittenberge. Nun, was soll´s, machen wir noch einen Abstecher nach Niedersachsen und schippern ganz entspannt in Schnackenburg über die Elbe in die Prignitz. Und wenn wir schon mal übergesetzt sind, kehren wir doch gleich noch ins Café Jaap in Lütkenwisch ein und genießen ein Stückchen Torte mit einem Kaffee in der Sonne und einem Schnack mit der Wirtin. Tourismus kann so schön sein.

Denkmal für August-Hermann Francke mit Blumen geschmückt

86/365 »Er vertrauete Gott«

27.03.2015
Der Titel offenbart nicht etwa Rechtschreibschwächen des Autors, sondern gibt die Inschrift des Denkmals für August Hermann Francke in den Franckeschen Stiftungen zu Halle wider. Vor wenigen Tagen jährte sich sein Geburtsdatum zum 352. Mal, daher der reichhaltige Blumenschmuck. Das erste Mal, dass ich eine Ahnung davon bekam, wie bedeutsam der Mann für die Geschichte des Humanismus war und ist, war, als mich vor vielen Jahren in Halle Ausländer auf Englisch fragten, wie sie zu den Stiftungen und zur berühmten Bibliothek der Franckeschen Stiftungen kämen. Ich wohnte zum damaligen Zeitpunkt bereits mehrere Jahre in Halle und hatte bis dahin noch keinen Fuß in das berühmte Waisenhaus gesetzt. So lange ich mich erinnere, wird auf dem Stiftungsgelände gebaut. Inzwischen haben sich auf dem Stiftungsgelände mehr als 50 Einrichtungen etabliert, darunter vier Schulen, Institute der Martin-Luther-Universität, die Kulturstiftung des Bundes und das Deutsche Jugendinstitut. Die Stadt Halle und die Franckeschen Stiftungen haben es sich zum Ziel gesetzt, offiziell in das UNESCO Welterbe aufgenommen zu werden, ein tolles Vorhaben, das hoffentlich erfolgreich abgeschlossen werden kann.