Reste eines lange vergessenen Fahrrads an einen Schuppen gelehnt mit Seilen und Tampen behängt

Praktisch veranlagt

Anmerkung vorab: Ruhig die langen Vokale mit der doppelten Länge vorgestellt lesen.

Wir aus dem Norden sind praktisch veranlagt. Ich darf »wir« sagen, bin ich doch direkt an der Ostseeküste geboren, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls sind wir pfiffig und haben für fast jede schwierige Situation eine praktikable Lösung bei der Hand. Zur Not kann man mit ein bisschen Tüdelband fast alles reparieren oder mit Band und einem Stück Tampen ein Fahrrad vor unbefugter Mitnahme schützen, so wie hier, am Fischereianleger Gager auf dem Mönchgut (Insel Rügen) geschehen. Jedenfalls hat der Tampen das Fahrrad deutlich sichtbar schon seit mehreren Jahren vor Diebstahl geschützt. Das liegt sicher auch daran, dass bei uns im Norden sich das mit der Kriminalität noch nicht so rumgesprochen hat wie anderswo. Aver, so voel Tampen? Ick gloew, dat harr nich nödig daan.

Treppen im ehemaligen Modekaufhaus Weiß, heute New Yorker, am Markt in Halle

349/365 Funktion und Ebenmaß

15.12.2015

Es ist schon lustig, da habe ich erst vor ein paar Tagen zu einer Aufnahme eines Wohn- und Geschäftshauses in der Großen Ulrichstraße etwas über Historismus verlauten lassen, und schon stehe ich vor symmetrischen Treppenaufgängen der selben Schöpfer am Marktplatz. Die Brüder Albert und Ernst Heinrich Giese waren halt sehr fleißig. Dieses Kaufhaus, ein viergeschossiger Stahlbetonskelettbau mit etwa 4.200 m² Verkaufsfläche, tollen Treppenaufgängen und einem Lichthof unter einer imposanten Kuppel, eröffnete 1908 als Konfektionshaus Weiss. Die Bekleidungskette New Yorker hat das mit den Jahren herunter gekommene Kaufhaus 2006 gekauft und nach umfangreichen Sanierungsarbeiten 2008 wiedereröffnet. Als ich den Fotoapparat zückte, stand sofort eine junge Verkaufsangestellte neben mir und fragte nach meiner Berechtigung zu fotografieren. Glücklicherweise rief sie spontan bei ihrer Geschäftsleitung an und eine Minute später hatte ich die Erlaubnis, die Treppen abzulichten. Da sage ich gern nochmals Danke.

Zentrale Merkhilfe und Gedächtnisstütze im Haushalt - die als magnetische Infotafel genutzte Klappe zu den Elektrosicherungen

345/365 Nicht vergessen

11.12.2015

Wann ist die Party bei René und Steffi? Wann wollen wir zum Blutspenden? Demnächst muss ich wieder meinen Bibliotheksausweis verlängern. Anfang Januar gehen wir ins Neue Theater zur »Stunde der Komödianten«. Vorher muss noch eine Rechnung überwiesen werden. Und wenn am Fahrrad etwas kaputt gegangen ist; hier ist die Nummer vom »Radlager«, der kriegt das wieder hin. Bei uns ist die zentrale Sammelstelle von Informationen, Merkhilfen und Schlüsseln die Klappe zu den Sicherungen gleich am Wohnungseingang. Ein kurzer Blick genügt, und man ist im Bilde. Eigentlich könnte die Klappe/Tafel doppelt so groß sein. Aber dann wäre sie auch schon wieder weniger übersichtlich. Woran sollte der Dollar doch gleich noch erinnern? Spare in der Not, dann hast Du Zeit dazu?

Mechanischer Selbstauslöser - ein Fotozubehör der analogen Fotografie früherer Tage.

343/365 Signal auf rot – bitte warten

09.10.2015

Dieses ist eines meiner ältesten Fotozubehörteile. Das, was heute wohl jede einfache Digitalkamera kann, ein Foto mit verzögertem Selbstauslöser zu schießen, dazu brauchte der Fotograf früher Extra-Equipment. In diesem Fall ist es ein mechanischer Selbstauslöser mit Federaufzug. Der Aufzug wurde gespannt, ein Kabelauslöser in die Vorrichtung (unten) eingespannt und wenn alles eingerichtet war, gab man den Federmechanismus wieder frei. Ein leises Schnarren verriet, dass es gleich soweit sein würde, Klick und fertig. Und schon nach der Filmentwicklung war das Resultat sichtbar. Toll.

Wohn- und Geschäftshaus neben der Kulturinsel in der Großen Ulrichstraße in Halle am Abend

341/365 Historismus?

07.12.2015

Die Große Ulrichstraße schlängelt sich vom Marktplatz in nördliche Richtung zwischen zahlreichen architektonisch wertvollen Wohn- und Geschäftshäusern entlang zum Hansering. Hier, im Foto festgehalten, beschreibt sie eine S-Kurve vor der Kulturinsel mit Neuem Theater, einem Kaufhaus im Stile des Historismus der Architekten Albert und Ernst-Heinrich Giese ausweichend. Beide gründeten 1883 in Halle das Atelier für Architektur und Kunstgewerbe / Bauausführung  und betrieben es bis 1922. Die kreativen und schaffensfreudigen Brüder hinterließen in Halle zahlreiche Spuren ihres Könnens. Das Kaufhaus in der Großen Ulrichstraße 49 zieht seit vielen Jahren als Modehaus besonders weibliche Kunden an und bietet einer großen Anwaltskanzlei attraktive Geschäftsräume. Der als Historismus beschriebene Baustil war im 19. Jahrhundert in der Architektur verbreitet, griff auf ältere Stilrichtungen zurück und kombinierte diese nach Herzenslaune, quasi ein Stilpluralismus.

Küchensieb | Durchschlag

16/365 Quadratur der Kreise in der Küche

16.01.2015
Und wieder gibt es ein Bild aus der Küche, nur diesmal keine Speisen sondern ein Küchengerät. Die Form, Kreise, »Polkadots« sowie das Material machten Lust auf das Foto; sollte alles fix erledigt sein. Und dann kam es wieder ganz anders. Erste Versuche hatte ich mit einer Lampe im Inneren des Durchschlags gemacht; alles Murks, wenn das Licht außen passte, waren die Lichteffekte aus dem Siebmuster alles andere als eindrucksvoll (dieser Versuch wird später noch einmal wiederholt mit mehr Zeit zum Experimentieren). Also klassisch, ohne viele Schnörkel, lange belichtet und im quadratischen Zuschnitt als Schwarzweiß-Bild entwickelt.
In der Küche werde ich mich wohl noch öfter mit dem Fotoapparat austoben.