Reste eines lange vergessenen Fahrrads an einen Schuppen gelehnt mit Seilen und Tampen behängt

Praktisch veranlagt

Anmerkung vorab: Ruhig die langen Vokale mit der doppelten Länge vorgestellt lesen.

Wir aus dem Norden sind praktisch veranlagt. Ich darf »wir« sagen, bin ich doch direkt an der Ostseeküste geboren, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls sind wir pfiffig und haben für fast jede schwierige Situation eine praktikable Lösung bei der Hand. Zur Not kann man mit ein bisschen Tüdelband fast alles reparieren oder mit Band und einem Stück Tampen ein Fahrrad vor unbefugter Mitnahme schützen, so wie hier, am Fischereianleger Gager auf dem Mönchgut (Insel Rügen) geschehen. Jedenfalls hat der Tampen das Fahrrad deutlich sichtbar schon seit mehreren Jahren vor Diebstahl geschützt. Das liegt sicher auch daran, dass bei uns im Norden sich das mit der Kriminalität noch nicht so rumgesprochen hat wie anderswo. Aver, so voel Tampen? Ick gloew, dat harr nich nödig daan.

Verzogene Bank aus Eichenholz an der Nordküste der Ostseeinsel Hiddensee

Myriapoda baltica?

Beim Stöbern in meinem Archiv stieß ich auf diese Abbildung eines ganz besonderen Tausendfüßlers auf der Ostseeinsel Hiddensee, aufgenommen zu Ostern 2013. Es war saukalt. Das Besondere an diesem Tausendfüßler sind die drei Reihen von Beinen. Wenn auch das eine oder andere Bein durch die rauhe Witterung angeknackst oder gar abgebrochen ist, so grüßt er doch freundlich Touristen unmittelbar am Leuchtturm Dornbusch.

Ich hoffe, die Bank steht noch, auch wenn sie nicht mehr in vollem Umfang als Sitzmöbel genutzt werden kann.

Die Natur vermag Unglaubliches. Hier klammert sich eine Lärche an einen Felsen, durchdringt mit ihren Wurzeln kleinste Hohlräume, sucht und findet so Halt und lebensnotwendige Nährstoffe.

362/365 Eng umschlungen

28.12.2015

Ein Spaziergang mit Britta und ihren Border Collies führt uns am Ostuferwanderweg des Hallstätter Sees zu Tonis Wald. Toni hat mit seiner Frau Monika einst die Lodge auf dem Krippenstein bewirtschaftet, ist noch heute dort tätig. Früher hatte er eine große Gruppe von Huskies, die er oben auf dem Krippenstein hielt. Inzwischen hat er keine Hunde mehr. Zu viele »Tierfreunde« und »Umweltschützer« haben ihm sein Hobby  verleidet. Uns hat er immer wieder eingeladen, mit den Hunden seinen Grund zu nutzen, damit die Hunde dort freien Auslauf ohne Einschränkungen genießen können. Und das Angebot nehmen wir nur zu gern an, genießt man doch von einer Stelle in seinem Wald einen herrlichen Blick über den Hallstätter See auf Hallstatt.

Auf dem Weg dorthin liegen unzählige Felsen vertreut, Ergebnis der Verkarstung der Alpen im Salzkammergut. Hier klammert sich eine Lärche an einen Felsen, durchdringt mit ihren Wurzeln kleinste Hohlräume, sucht und findet so Halt und lebensnotwendige Nährstoffe.

Schaumblasen im Durchlicht mit zahlreichen Spiegelungen

344/365 Spuma

10.12.2015

So sah sie also aus, die Wiege der Aphrodite, kurz bevor ihr die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde und eine der kanonischen zwölf olympischen Gottheiten, die Liebesgöttin schlechthin, entstieg.

Das Foto entstand im Gegenlicht vor weißem Hintergrund. Um die Konturen der Bläschen zu betonen, stellte ich die Blumenvase mit rechteckigem Querschnitte auf schwarzen Karton und deckte sie ebenfalls schwarz ab. Demnächst probiere ich aus, den Schaum strahlend weiß  vor schwarzem Hintergrund abzulichten.

 

Dir die Ruhe, mir die Eile, lass uns tauschen eine Weile - Sandsteinfigur an der Moritzkirche in Halle

242/365 Eile und Weile

30.08.2015
Heute war es unangenehm warm, ich habe mich am Nachmittag auf´s Fahrrad geschwungen in der Hoffnung, dass mich der Fahrtwind kühlt. Eine trügerische Hoffnung. Irgendwann kam ich am Hallorenring vorbei und habe an der Rückseite der Moritzkirche in der Mauer diese Sandsteinskulptur entdeckt. Unter dem Kopf steht:

DIR DIE RUHE
MIR DIE EILE
LASS UNS TAUSCHEN
EINE WEILE

Drei Konservendosen zum Tag der Konservendosen

237/365 Konservativ muss nicht schlecht sein

25.08.2015
Heute ist Tag der Konservendose. Wikipedia weiß hierzu, dass Napoleon 1795 einen Preis von 12.000 Goldfranc für ein Verfahren auslobte, mit dem man Nahrungsmittel haltbar machen und die Soldaten ernähren konnte, ohne die Bevölkerung zu plündern.
Für seine Idee, Nahrungsmittel in luftdicht verschlossenen Glasflaschen zu erhitzen und dadurch für mehrere Jahre haltbar zu machen, erhielt der Pariser Zuckerbäcker und Konditor Nicolas Appert schließlich 15 Jahre später das Preisgeld. Immerhin konnte man damit »alle animalischen und vegetabilischen Substanzen nähmlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Fische, Zugemüse, Kuchen – Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, Kaffeh, Thee u.s.w. in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre« erhalten. 1810 kam schließlich der Brite Peter Durand auf die Idee, zu diesem Zweck Blechkanister zu verwenden, ließ sich das Ganze im selben Jahr noch patentieren und gilt somit als Erfinder der Konservendose. Drei Jahrte später produzierten die Briten Donkin und Hall Konserven, die sie an die britische Armee lieferten. Forschung und Entwicklung für das Militär schenkte uns diese Errungenschaft. Bitte jetzt keine Haltung des Blogautors aus der letzten Aussage ableiten.
Eigentlich wollte ich ursprünglich darüber fabulieren, was man alles so konservieren kann (unabhängig von Konservendosen) und wozu in der Vergangenheit Konservendosen so alles gut zu gebrauchen waren. Auch der Aufbau unterschiedlicher Dosen ist ein spannendes Thema. Aber das führt dann jetzt doch zu weit.

Detail des Handwerkerbrunnens in Halles Innenstadt aus der Vogelperspektive

205/365 Goldenes Handwerk mit Perspektivwechsel

24.07.2015
In der Nähe des Alten Marktes befindet sich der »Handwerkerbrunnen«. Er wurde von Prof. Martin Wetzel entworfen und 1987 an Brunos Warte, Ecke Zenkerstraße errichtet. Dargestellt sind verschiedene historische Handwerksberufe. Frauen spielten damals im Handwerk keine Rolle. Einzig eine kleine Frauenfigur wurde in Form einer Büste vom Künstler im Ensemble versteckt (oben zwischen den Männerfiguren).
Das Wohngebiet um den Brunnen ist eines der ältesten Siedlungsgebiete der Saalestadt.
Der in Schönebeck geborene Bildhauer Martin Wetzel studierte an der jetzigen Hochschule für Kunst und Design Halle, Burg Giebichenstein, und übte ab 1959 dort selbst eine Lehrtätigkeit aus. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2008 in Halle. Hier sind etwa zehn Kunstwerke von ihm im öffentlichen Raum aufgestellt. Neben dem »Handwerkerbrunnen« sind der »Alchimistenbrunnen«, »Junges Paar« (Brunnen) oder das »Liebespaar« (Skuplturen in der Leipziger Straße) die bekanntesten Werke.
Ich habe den »Handwerkerbrunnen« bereits ein paar Mal fotografiert, bislang jedoch nie aus dieser erhöhten Sicht und war selbst überrascht über die Wirkung des Perspektivenwechsels.

Treppenhaus in der Volkshochschule Halle

203/365 Auf und ab im Treppenhaus

22.07.2015
Heute bin ich viel zu früh in der Volkshochschule zum Spanisch-Kompaktkurs und stehe im Flur vor der verschlossenen Tür des Kursraumes. Als die sinnvollste Art, mir die Zeit bis zum Kursbeginn zu vertreiben, kommt mir in den Sinn, den Treppenflur zu fotografieren, also Kamera raus, auf den Boden gepackt, ausgerichtet, abgedrückt. Der Rest ist (kein) »Hexenwerk« am Bildschirm.

Bauarbeiter beim Einbringen von Beton für das Fundament einer Senioren-Residenz in Halle

181/365 Primaballerina auf dem Bau

30.06.2015
Selbst bei rustikalen Arbeiten, wie dem Betoneinbringen für das Fundament auf einer Baustelle, ist es möglich, ein Mindestmaß an Eleganz zu bewahren. Der Mann am Betonrüssel hat das perfekt verinnerlicht. Seine Kollegen können da nur staunend und bewundernd innehalten.
Hier entsteht eine »Senioren-Residenz« und meine Holde hat vekündet, dass sie nur noch einmal umzieht, lediglich mit der Handtasche, 70 Meter entfernt, in eine der entstehenden altersgerechten Wohnungen. Momentan scheinen jedenfalls bereits alle Wohneinheiten vermietet zu sein.

Schwarz-weiß-Foto von weiter Wiesenlandschaft hinter den Elbdeichen in der Westprignitz mit einem Himmel voller kleiner Wolken

95/365 Wolken wie Watte

05.04.2015
»Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…«, so ist es, und wir genießen die Sonne, die kein Weißes duldet. Und der Himmel am westlichsten Zipfel Brandenburgs, in der Westprignitz bei Lenzen ist am Ostersonntag herrlich blau und voller kleiner schöner Wolken, die die Sonne nicht behindern und die Landschaft noch interessanter gestalten. Der schöne Himmel über Brandenburg hat auch Yadegar Asisi gefallen und ihn veranlasst, selbigen zu fotografieren oder fotografieren zu lassen, um ihn sodann in sein gigantisches 360°-Panorama von Rom im Jahre 312 einzumontieren. Ich habe dieses eindrucksvolle Monumentalkunstwerk im Gasometer in Leipzig bewundern können, momentan ist sowohl in Rouen als auch in Pforzheim zu erleben.