Innenhof des ComCenters in Halles Zentrum - ehemaliger Sitz der SED-Bezirksleitung heute Veranstaltungslocation

273/365 Zum Salsakurs ins »Cafe Böhme«

30.09.2015
Auf dem Weg zum Salsa-Kurs habe ich eine kleine Kompaktkamera dabei, da für heute noch kein Bild »im Kasten« ist. Kurz vor sieben dämmert es, die Straßenbeleuchtung ist bereits eingeschaltet. Wir nähern uns der Rückseite des ComCenters.
In der DDR saß hier (Leninallee 70) die SED-Bezirksleitung. Nach für DDR-Verhältnisse luxuriösem Umbau wurde das Objekt im Volksmund nur noch »Cafe Böme« (Achim Böhme: Mitglied des Politbüros und 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED) genannt. 1989 war das »Cafe Böhme« Ziel der Montagsdemos, die »Böhme komm raus!« forderten. Heute ist das ComCenter in der Merseburger Straße/Willy-Brandt-Straße eine Tagungs- und Veranstaltungslocation. Wenn Maxim jeweils am ersten Freitag im Monat zur Salsaparty das musikalische Parkett bereitet, kommen die Fans aus einem weiten Umkreis (zum Teil über 100 km) angereist, um eine tolle Party zu feiern. Im Erdgeschoss, unserem Ziel heute, betreibt Maria mit ihrem Mann einen Catering-Service mit Kantine und Imbiss. Jeden Mittwoch öffnet sie für unseren Salsakurs mit etwa 10 Paaren von 19 bis ca. 23 Uhr die Bar. Erst ist Kurs, danach wird noch bei dem einen oder anderen Getränk geplaudert und getanzt.
Der Innenhof des ComCenters ist bei Tageslicht betrachtet nicht gerade fotogen. Jetzt, am Abend mit der Mischung aus natürlichem Umgebungslicht und künstlicher Beleuchtung wirkt es wesentlich sympatischer. Ein Trick, den auch viele Hotels, die bei Tageslicht eigentlich von außen nicht so toll aussehen, für ihre Werbemaßnahmen gern nutzen – auf die Dämmerung warten, möglichst viele Lampen einschalten und ein paar schöne Aufnahmen herbeizaubern.

Bauarbeiter in luftiger Höhe mit Betonfüllkübel am Kran hängend

271/365 Flugbeton statt Blutmond

28.09.2015
Eigentlich sollte ein Bild des »Blutmondes« den heutigen Beitrag schmücken aber ich musste ordentlich Lehrgeld zahlen. Pünktlich um 4:00 Uhr weckte mich mein mobiles Fernmeldegerät, Zeit genug, noch vor der totalen Mondfinsternis alles aufzubauen und die Lage zu sondieren. Leider habe ich mich aus Unerfahrenheit mit der Fotografie von Himmelskörpern ganz schön vertan. Belichtungszeiten zwischen 10 und 30 Sekunden sind einfach unakzeptabel lang und die Ergebnisse unbefriedigend weil unscharf. Na ja.
Also habe ich mich für ein Bild auf der benachbarten Baustelle für eine Seniorenresidenz (wie vornehm das klingt) entschieden. Hier wird gerade Beton in Verschalungen für Stahlbetonwände gegossen. Dazu muss der frisch gefüllte Betonfüllkübel (heißt tatsächlich so) erst einmal in luftiger Höhe zum Einfüllort hingeschwenkt werden. Der Betonpilot sollte dabei höhentauglich und schwindelfrei sein. Oder sehen deutsche Sicherheitsvorschriften einen bemannten Betonflug vielleicht gar nicht vor?

Teich mit Sprigbrunnen und Arkaden in den historischen Kuranlagen Bad Lauchstädt

270/365 Hoffmannstropfen für eine ruhige Hand beim Probeschuss

27.09.2015
Um 1700 in wurde in Lauchstädt eine Quelle entdeckt. Der bereits zu seiner Zeit weithin berühmte »Geheime Rath Friedrich Hoffmann, Dr. und Prof. der Arzneygelahrheit in Halle« (und Erfinder der noch heute bekannten Hoffmannstropfen) erkannte nach eingehender Analyse des Wassers die Heilwirkung und ließ »vernehmen, dass es ein gesund Wasser sey, welches in vielen sonderlich langwierigen Kranckheiten als Fiebern, Geschwulst, Bleichsucht bey den Frauenzimmer etc., insonderheit aber äusserlich als ein Bad, zu Stärckung der schwachen Glieder, mit nicht geringem Nutzen würde können gebrauchet werden.« Und er sollte Recht behalten. Schon kurz nach der Entdeckung entstand in Lauchstädt bei Halle ein Modebad, das der Adel und das aufstrebende Bürgertum aus den umliegenden Städten besuchte. Selbst der kurfürstlich sächsische Hof in Dresden nutzte das Bad als Sommerresidenz.
Wahrscheinlich waren die Anlagen und das Umfeld dem sächsischen Hof doch zu trivial und öde, so dass zwar eine Neugestaltung der Anlagen erfolgte, der Kurbetrieb aber immer mehr einzuschlafen drohte. Mit dem Bau des »Goethe-Theaters« 1802 (von Goethe selbst konzipiert) erhielt Bad Lauchstädt einen erneuten Aufschwung. Noch heute wird die damals eingebaute Bühnentechnik im Original genutzt. Nach dem Wiener Kongress (1814/15) fiel Bad Lauchstädt an Preußen. Das war´s dann. Kurpark und Theater verloren ihre einstige Bedeutung, 1941 wurde der Kurbetrieb eingestellt und am 15. November 2010 wurde im Traditionsbetrieb Lauchstädter Heil- und Mineralbrunnen GmbH die letzte Flasche des Heilwassers abgefüllt. Inzwischen gibt es neue Pläne für ein Therapiezentrum und auch für die weitere Nutzung der Heilquelle. Mal sehen, was daraus wird.
Ich bin heute bei bestem Altweibersommerwetter (was für ein Wort) mit meiner Holden im Kurpark, um das Wetter, den tollen Himmel und anschließend eine Aufführung des Freischütz im Goethe-Theater zu genießen. Ich sag nur soviel: Die Aufführung war grandios.

Blick vom Mönchshof am Hallmarkt auf die fünf Türme am Markt, ein Wahrzeichen von Halle

261/365 Der Mönchshof in der Stadt der fünf Türme

18.09.2015
Eines der Wahrzeichen unserer Stadt sind die fünf Türme auf dem Marktplatz; vier gehören zur Marienkirche (Marktkirche), einer, der Rote Turm, steht solo. Dass die Marktkirche mit vier Türmen ausgestattet ist, liegt daran, dass Kardinal Albrecht mit Zustimmung der erzbischöflichen Räte vor beinahe 500 Jahren die beiden Pfarrkirchen am Markt bis auf die vier Türme abreißen ließ, um an gleicher Stelle eine repräsentative, große Marienkirche zu errichten, in welcher die beiden Turmpaare bis heute mit einem einzigen Kirchenschiff verbunden sind. Der einzeln stehende Rote Turm wurde einst als Glockenturm (Campanile) der ursprünglichen Marien-Pfarrkirche errichtet.
Der Mönchshof befindet sich in einem großen, schön restaurierten Bürgerhaus am Hallmarkt, einst errichtet als Hotelgebäude (»Central Hotel«) mit Trinkhalle.
Nach wechselvoller Geschichte übernahm die Kulmbacher Export Brauerei Mönchshof das Haus in den 1930-er Jahren. Zu dieser Zeit entstand der Gastraum, welcher bis heute zu großen Teilen im Original erhalten geblieben ist. Auch in der DDR blieb das Lokal stets in privater Hand und war als »Klosterbräu« beliebter Treffpunkt der Halleschen Studentenschaft.

vollständig mit wildem Wein bewachsene Giebelwand - die Fassade gleicht einem Gesicht mit zotteligem Vollbart

260/365 Haus mit Vollbart

17.09.2015
Men´s Helth behauptet ja, glatt rasierte Gesichter wären gerade out und ein gepflegter Bart wäre Ausdruck der Männlichkeit. Laut einer Studie würden sich etwa zwei Drittel der deutschen Männer nicht täglich rasieren. Vor allem der Drei-Tage-Bart sei beliebt – 37 Prozent der Männer würden einen tragen.
Dieses Haus hat es allerdings nicht auf einen Drei-Tage-Bart abgesehen. Der Giebel trägt einen jahrelang gewachsenen, etwas zotteligen Vollbart. Das Haus erinnert mich jedes mal an ein Gesicht durch die eng stehenden Fensteraugen und die Fichte als überlange Nase. Assoziationen zu den Ents werden wach.

Blick vom beleuchteten Göbelbrunnen auf dem Hallmarkt zur Marktkirche in der Abenddämmerung

258/365 Zehn nach acht auf dem Hallmarkt

15.09.2015
Huch, schon wieder eine Nacht-, zumindestens Dämmerungsaufnahme. Heute habe ich aber noch ein bisschen mehr Licht, also noch blauen Himmel. Vom beleuchteten Göbelbrunnen aus gibt es einen schönen Blick zur viertürmigen Marktkirche, auch wenn hier nur zwei der Türme zu sehen sind.
Vom Göbelbrunnen erkennen wir links den rufenden Schäfer, Ihr erinnert Euch?

Leipziger Turm in Halle bei Nacht

257/365 Um neun am Leipziger Turm

14.09.2015
Der Leipziger Turm teilt den oberen vom unteren Boulevard, die Verbindung von Hauptbahnhof und Marktplatz. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut, war er zunächst Wartturm und mit 44 m Höhe zugleich der höchste Turm der städtischen Befestigungsanlage. Im Volksmund hieß er bis Mitte des 19. Jahrhunderts Galgtorturm, da er sich direkt neben dem Galgtor erhob und man von hier freie Sicht übers Land zum Galgberg (heutiger Riebeckplatz) hatte. Ende des 16. Jahrhunderts erhielt der Turm eine welsche Haube (gebauchte Haube mit Laterne) mit vier Lukarnen (auch Zwerchhaus, ein Dachfensteraufbau dessen First senkrecht zu der Dachtraufe steht). Seit wann das Uhrwerk mit zwei Ziffernblätter den Turm schmückt, weiß ich nicht zu berichten. Wirkt der Turm auch ziemlich schlank, so beträgt die Mauerstärke am Fuß immerhin 2,80 m bei 3,30 m Durchmensser im Innenraum.
Da es auf dem Heimweg vom Spanischkurs heute leicht geregnet hat, gibt es Spiegelungen, die mich veranlassen, hier ein paar Minuten mit Fotoaufnahmen zuzubringen.

Blick zur Kuppel der Mittelhalle im Landgericht Halle mit reich verzierten Säulen und Treppenaufgängen

256/365 Doppelhelix im Landgericht

13.09.2015
Heute ist Tag des offenen Denkmals. Zum Frühstück wälzen wir die Ankündigungen in der Tageszeitung über teilnehmende zu besichtigende Objekte. Jeder von uns hat seine Wunschvorstellungen, alles kann man sich sowieso nicht ansehen, also womit fangen wir an?
Wir entscheiden uns für das Landgericht am Hansering. Das Gebäude, errichtet zwischen 1901-05, wirkt fast wie ein Stadtschloss, ist ein stadtbildprägender, reich verzierter Zweckbau. Ist schon die Fassade zum Hansering mit zwei Ecktürmen und Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel oppulent gestaltet und ausgeschmückt, so erschlägt die Gestaltung im Inneren beinahe den Besucher beim Betreten. Ich bin aus dem Wundern und Staunen fast nicht mehr herausgekommen. Die Mittelhalle mit Kuppel ist das Prunkstück. Zwei gegenläuige Treppenaufgänge erinnern mich an die Vatikanischen Museen oder an die Doppelhelix unserer Erbanlagen. Ich hatte Glück, dass zum Zeitpunkt des Fotos die Besucher sich mehr in den Gerichtssälen als im Treppenaufgang drängten und das Tageslicht nicht zu grell einfiel.
Was habe ich heute gelernt: Als Besucher kann man die Architektur und die farbliche Gestaltung hemmungslos bewundern und genießen. Vorgeladen möchte ich hier nicht werden.

Burg Giebichenstein und die Giebichensteinbrücke über die Saale in der Abenddämmerung von der Bergschenke auf Kröllwitzer Seite aus

243/365 Burg Giebichenstein

31.08.2015
Heute war es den ganzen Tag über so warm, dass ich mich erst am späten Abend auf den Weg zu meinem Tagesfoto machte. Ich habe auf einen schönen Sonnenuntergang mit interessantem Himmel, womöglich mit einem schönen Mondaufgang gehofft und dazu die Szenerie der Burg Giebichenstein von der Bergschenke aus im Hinterkopf gehabt. Also habe ich mich nach dem Abendessen fix mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht und bin klitschnass, wie aus dem Wasser gezogen, an der Bergschenke angekommen. Zum Glück war die Schenke heute geschlossen, das Freigelände aber zugänglich. So konnte ich verschiedene Aussichtspunkte ausprobieren und, da ich keine Lust hatte, mein schweres Stativ am Fahhrad festzuzurren, mir aus den Gartentischen und -stühlen ein geeignetes »Hilfsstativ« bauen. Leider dauert die sogenannte »Blaue Stunde« bei weitem keine Stunde, also war ein wenig Eile angesagt, um das optimale Licht zu nutzen. Der Mond erschien mir in dieser Zeit allerdings nicht, sei´s drum.
Die Burg Giebichenstein ist von den berühmten besungenen Burgen an der Saale hellem Strande die älteste. Zahlreiche Geschichten und Mythen ranken sich um dieses stolze Bauwerk auf hohem Felsen über dem Saaleufer. Die Oberburg ist heute beliebtes Ziel für Touristen sowie für Hallenser und ihre Gäste. Der untere Teil beherbergt die heutige Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Vor 100 Jahren wurden Klassen für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Textilgestaltung, Fotografie sowie für Tischlerei gegründet. Seitdem genießt die Kunsthochschule hohes Ansehen als Ausbildungsstätte für Grafiker und Designer. Übrigens symbolisieren die beiden großen Sandsteinfiguren von Kuh (Kröllwitzer Ufer) und Pferd (Giebichensteinufer) am Fuße der Saalebrücke die Verbindung des ländlichen Kröllwitz mit dem städtischen Giebichenstein. Pferd und Kuh stammen von Gerhard Marcks, der seit 1925 Professor an der Kunsthochschule war.

Treppenhaus in der Volkshochschule Halle

203/365 Auf und ab im Treppenhaus

22.07.2015
Heute bin ich viel zu früh in der Volkshochschule zum Spanisch-Kompaktkurs und stehe im Flur vor der verschlossenen Tür des Kursraumes. Als die sinnvollste Art, mir die Zeit bis zum Kursbeginn zu vertreiben, kommt mir in den Sinn, den Treppenflur zu fotografieren, also Kamera raus, auf den Boden gepackt, ausgerichtet, abgedrückt. Der Rest ist (kein) »Hexenwerk« am Bildschirm.