Altes und neues Rathaus von Chemnitz mit Weihnachtsmarkt am Vorabend zum ersten Advent 2015

332/365 Weihnachtsmarkt in Chemnitz

28.11.2015

Freunde haben uns seit langem eingeladen, sie doch einmal in Chemnitz (zwischenzeitlich »Goarl-Moargs-Schdadd«) zu besuchen und so haben wir uns auf das erste Adventswochenende geeinigt. Petrus hat es am Samstag dafür sogar schneien lassen. Nachdem wir am Nachmittag dem höher gelegenen und komplett verschneiten Marienberg im Erzgebirge einen Besuch abgestattet hatten, ging es am Abend auf den Weihnachtsmarkt rund um die Rathäuser von Chemnitz. Hier herrschte eine tolle Atmosphäre. Weiträumig angelegt, gab es einen mittelalterlichen Bereich und daneben zahllose Verkaufsstände für kleine und feine »Steh-im-Weg«, eine Bühne und natürlich Stände für das leibliche Wohlergehen. Diese Weiträumigkeit hat sich Chemnitz allerdings teuer erkauft; nach dem zweiten Weltkrieg war von Chemnitz nicht mehr viel übrig geblieben, 80% der Stadt waren komplett zerstört. Heute wirbt Chemnitz für sich als Stadt der Moderne. Wir behalten das im Auge.

beleuchtete Stahltreppe bei Nacht

328/365 Treppenwitz und Schlagfertigkeit

24.11.2015

Sie ist beinahe ständig ungenutzt, und das ist gut so. Diese Treppe dient nämlich allein der Sicherheit, bei Gefahr im Gebäude bietet sie einen zusätzlichen Weg aus der Gefahrenzone ins Freie.

Ganz allgemein ist eine Treppe ein alltägliches, architektonisches Element aus mindestens zwei Stufen, mit dem wir Höhenunterschiede überwinden. Die älteste gestaltete Treppe findet sich angeblich in Anatolien. In der Mystik wird die Treppe als verbindendes Element von zwei oder mehreren Ebenen (auch Bewusstseinszuständen) verstanden. In diesen Zusammenhang passt die Geschichte der Jakobsleiter, jener Himmelsleiter, die Jakob im Traum erschien und die vom Erdboden zum Allerheiligsten hinaufführte. Interessant ist, dass unterschiedliche Kulturkreise in der Traumdeutung das Hinauf- bzw. Hinabsteigen einer Treppe unterschiedlich bewerten. Sicherlich deutet die Treppennutzung auf eine Veränderung, die wir selbst aktiv vornehmen. Sonst hätten wir ja auch einen Fahrstuhl nehmen können.

Bei Treppe assoziiere ich Treppenwitz, eigentlich ein geistreicher Gedanke, der leider etwas zu spät Einzug in die Gedankenwelt gefunden hat, der einem erst beim Hinausgehen auf der Treppe einfällt, so dass er in der aktuellen Diskussion nicht mehr vorgebracht werden kann. Er hat also irgend etwas mit Schlagfertigkeit oder eben dem Fehlen derselben zu tun. Mark Twain definierte die Schlagfertigkeit als etwas, worauf du erst 24 Sunden später kommst. Abschließend habe ich gerade gefunden, dass sich Schlagfertigkeit toll bei Ehestreitigkeiten bewährt, vorausgesetzt, du verzichtest darauf. Kann ich nachvollziehen, ist schwierig.

 

 

 

Projektion eines Bogenfensters durch tiefstehendes Sonnenlicht an einer weißen Wand - daneben streift das Licht das Gehäuse einer riesigen maritrimen Schnecke (Queen Conch)

325/365 Die Queen der Meeresschnecken im Streiflicht

21.11.2015

Eigentlich wollte ich die Fensterfront meines Büros mit Pflanzen im Streiflicht der Nachmittagssonne ablichten. Das Ergebnis hat mir sogar gefallen. Aber dann sah ich an der Seitenwand die Projektion des Fensters mit der Bougainvillea und neben dem Schattenriss das vom Seitenlicht gestreifte Gehäuse einer riesigen karibischen Meeresschnecke, der Queen Conch (Große Fechterschnecke oder Riesen-Flügelschnecke (Lobatus gigas bzw. Eustrombus gigas).

majestätisch wie ein Leuchtturm, der Leuchtturm – der leuchtende Kalkbrennofen der Zuckerfabrik in Könnern in der Nacht

324/365 Leuchtturm bei Nacht

20.11.2015

Vor etwas über zwei Wochen habe ich den »Industrie-Leuchtturm« der Zuckerfabrik in Könnern bereits im Licht der aufgehenden Sonne vorgestellt. Heute zeige ich ihn nach Sonnenuntergang zu Beginn der Nacht. Und er macht seinem Ruf alle Ehre, nur dass er permanent Dauerlicht und nicht etwa rhytmisch wiederkehrende Signale aussendet.

Halles Beyschlagstraße in der Abenddämmerung

309/365 Die Stadt als Denkmal

05.11.2015
Halles Altstadt mit ihren Bürgerhäusern, Kirchen und Parks stellt das größte architektonische Flächendenkmal Europas dar (PUBLICPRESS: Stadtplan Halle/Saale). Egal, ob das stimmt oder etwas zu hoch gehängt wurde, die Altstadt ist faszinierend, und der aufmerksame Spaziergänger kann an jeder Ecke irgendetwas Neues und Interessantes entdecken. Allein die kurze Beyschlagstraße in der südlichen Innenstadt ist zu jeder Zeit und aus jeder Richtung fotogen. Sie verläuft leicht geschwungen, von der »Schorre« kommend sanft ansteigend und ist gesäumt von abwechselungsreicher Architektur aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Ich probiere es heute einfach mal ohne Stativ mit der Kompaktkamera und Selbstauslöser im Abendlicht.

Zugewachsene Fassade am Alten Markt in Halle mit der Kunstgalerie Gross

295/365 Galerie Gross

22.10.2015
Am Alten Markt in Halle finden wir nicht nur den Eselsbrunnen sondern auch die älteste privat geführte Galerie in den neuen Bundesländern. Sie wird bereits seit 1977 von der Inhaberin Christa Gross betrieben. Die Galerie bietet ausgefallene Stücke angewandter und bildender Kunst aus Malerei, Grafik, Keramik & Plastik, Porzellan, Textilgestaltung, Designer-Schmuck und Designer-Uhren bis hin zu kunsthandwerklichen Arbeiten und dekorativen Objekten. Bereits die Fassade ist durch die Begrünung und jetzt, im Herbst, durch das bunte Herbstlaub ein Hingucker. Ich selbst bleibe gern stehen und genieße den Anblick und schaue interessiert auf die Auslagen.

in der ehemaligen Aufzughalle des Parkhauses Pfännerhöhe in Halle

283/365 Im Parkhaus

10.10.2015
Das Industriedenkmal Parkhaus in der Pfännerhöhe von Halle stand mir bereits zweimal Modell (Parken im Denkmal sowie Parkhaus), beide Male von außen. Heute war das Tor geöffnet, so dass ich die Gelegenheit nutzte und vor dem automatischen Verschließen hineingelangte. Wegen der Formen und grafischen Wirkung der Konstruktion aus Stahl und Glas entschloss ich mich zur schwarz-weiß-Entwicklung der Rohdaten.

Blaue Ausleger einer Betonpumpe auf der Baustelle bilden den Buchstaben M

280/365 M wie Modschegiebschen

07.10.2015
Das ist ja auch einmal eine lohnende Aufgabe, im Alltäglichen das komplette Alphabet zu entdecken und fotografisch einzufangen.
Heute früh sah es auf der Baustelle in unserer Straße danach aus, als ob ein zweiter Kran installiert werden soll. Inzwischen ist klar, das ist kein Kran, sondern eine Betonpumpe. Ständig stehen immer zwei bis drei Betonfahrzeuge bereit, ihre Fracht über diese Pumpe in ein neues Stück Grundplatte für das Kellergeschoss einfließen zu lassen. Die Ausleger der Pumpe stehen dabei wie ein großes M im Raum, M wie:
Mensch und Maschine,
Möglichkeiten,
Materie und Materialien,
M wie Modschegiebschen (Coccinella modschepunctata, vor allem im schönen Sachsen anzutreffen – Achtung, Verballhornung!),
Morgenröte,
Mondschein,
Marmeladenschnitte oder
M wie Mama.

Fachwerkhaus mit Stakenlehmwand neben der Burg Lenzen

277/365 Fachwerk vom Fach

04.10.2015
Diese Giebelwand gehört zu einem alten Haus in der Schulstraße in Lenzen. Die Ecke zwischen Kirche und Burg heißt Körbitz und war bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts ein kleines Fischerdorf. Der Name Körbitz ist, wie Kietz, von der ursprünglichen Bedeutung »geflochtener Korb« auch zur Bezeichnung von Hütten und Fischersiedlungen in der Nähe einer Burg verwendet worden.
Mich faszinierte hier der Aufbau der Wände mit Fachwerk und die grafische Wirkung. In das Fachwerk wurden senkrechte Staken (Holzlatten) eingebaut. Normalerweise wurden bei dieser Bauweise zwischen die Staken Weidenäste eingeflochten und auf dieses Geflecht dann eingeweichter Lehm geschmiert. Um die Wände vor der Witterung zu schützen, mussten sie entweder mit Brettern, Steinen oder in der Nobelvariante mit Schiefer versehen werden. Hier grenzte einst einfach ein anderes Haus am Giebel an und bot so den nötigen Schutz.

Schwere Eichentür mit Versorgungsluke zum Verlies im Stumpfen Turm zu Lenzen

276/365 Tor zum Verlies

03.10.2015
Diese kleine von den Zeiten gezeichnete, einst sehr stabile Tür mit schwerem Schloss gehört zum Stumpfen Turm in Lenzen (Elbe), Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, Reste der Stadtmauer aus Feld- und Backsteinen sind heute noch zu sehen.
Der Turm war Torturm des Bergtors, eines von drei Lenzener Stadttoren (neben Heidetor und Seetor). An den Toren wurde Zoll erhoben. Zum Stumpfen Turm gelangte man über zwei Brücken jeweils mit Vortor und Zugbrücke. Nachts war das Stadttor vorsorglich verschlossen. Nach zunehmendem Verfall der Stadtmauern wurde das Bergtor 1758 abgerissen, das ehemalig kegelförmige Dach des Turmes stürzte ein und seitdem heißt er im Volksmund bis heute nur noch Stumpfer Turm.
Der Stumpfe Turm wurde nach dem Abriss des Tores als Gefangenenturm (Verlies) genutz. Man musste sich schon ganz schön bücken, um hinein- und auch wieder hinauszukommen. Die kleine Luke in der Tür war für die Übergabe der Verpflegung gedacht. Die Angehörigen hatten sich damals gefälligst selbst um die Verpflegung der Delinquenten zu kümmern.