Detail einer Grabstätte auf dem Stadtgottesacker in Halle für dem Mathematiklehrer Karl Friedrich Meyer

264/365 Archimedes und die Ästhetik in der Mathematik

21.09.2015
Diese Platte schmückt einen Obelisken auf dem Stadtgottesacker in Halle. Dieser wurde angelegt, als mit dem Bau der Marktkirche die beiden Stadtfriedhöfe der Pfarrkirchen aufgelöst wurden. Für den neu zu errichtenden Gottesacker wählte man den Martinsberg, der sich damals noch vor der Stadt befand. Die Anlage folgte dem Vorbild italienischer Camposanto-Anlagen, speziell des Camposanto in Pisa und gilt als ein Meisterwerk der Bestattungskultur der Renaissance nördlich der Alpen. Die Entwürfe stammen vom Stadtbaumeister und Steinmetz Nickel Hoffmann, der hier in über dreißigjähriger Bauzeit 94 Schwibbögen errichtete, die nach innen geöffnete Arkaden bildeten. Viele berühmte Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte Halles fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Heute gibt es auf dem Friedhof etwa 2.000 Grabstellen. Nach einem längeren Verbot von Beisetzungen auf dem Stadtgottesacker können heute Urnen innerhalb der Friedhofsmauern bestattet werden.
Der Obelisk, vor dem ich stehe, enthält eine Darstellung von Volumenberechnungen für Zylinder, Kugel und Kegel nach Archimedes. Das macht neugierig und eine Platteninschrift erklärt:

»Ihrem hochverehrten Lehrer
Professor
FRIEDRICH MEYER
Oberlehrer am Stadtgymnasium
zu Halle
Ehrendoctor d. Universität
Halle-Wittenberg
die dankbaren Schüler«

Auf der Rückseite nennt eine halb zugewachsene Grabplatte am Boden die Lebensdaten für Karl Friedrich Meyer (geb. 5. März 1842, gest. 5. Dec. 1898).

Karl Friedrich Meyer wurde nach einer Station als Hilfslehrer in Halberstadt im Jahr 1868 zum ordentlichen Lehrer für Mathematik und Physik an das Stadtgymnasium Halle berufen und blieb ihm fast 31 Jahre lang treu.
Laut Gottfried Riehm, durch die Förderung Meyers selbst Mathematiklehrer geworden, hat Meyer in der mathematischen Didaktik Außerordentliches geleistet und zitierte ihn mit den Worten: »Auch die Mathematik hat ihre Ästhetik«.
Letztes würde ich sofort unterschreiben. Was mich am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass Schüler aus Dankbarkeit ihrem Lehrer so ein opulentes Grabmal errichten ließen. Das stelle man sich einmal in heutiger Zeit vor.

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